Blogparade - Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von The New Worker.

Wissensarbeiter. Was für ein tolles Wort! Es beschreibt mich und mein Leben. Laut Definition muss ein Wissenarbeiter sich zum einen selbst neues Wissen aneignen, um an den an ihn gestellten Herausforderungen wachsen zu können und neuen Anforderungen gerecht zu werden. Zum anderen werden vorhandene Kompetenzen eingesetzt und mit den neu erworbenen verknüpft.

Woher kommt diese Notwendigkeit, Neues zu lernen und mit Vorhandenem zu kombinieren, um seiner Arbeit nachgehen zu können? Bei mir persönlich lautet die Antwort ganz klar: ich erschaffe sie selbst! Ich will ständig mehr. Ich will meine Ideen umsetzen. Ich will Menschen erreichen und berühren und die Welt besser machen.

Um auf meine Arbeitsumgebung eingehen zu können, muss ich erst meine Arbeit beschreiben.

Ich bin professionelle Sprecherin. Doch es genügt mir nicht, in Tonstudios zu fahren, um dort meine Stimme aufnehmen zu lassen. Ich habe ein eigenes Studio in meinem Heimbüro und erledige dort einen Großteil meiner Sprecheraufträge. Dazu kommt mir meine Ausbildung zur Fachinformatikerin zugute. Gibt es ein Technikproblem, krabble ich unter den Tisch und nehme wenn nötig den PC auseinander oder mache Softwareeinstellungsfehler per Ausschlussverfahren ausfindig. Es gibt viele Dinge, die ich neu gelernt habe. Wie muss ich meine Kabine bauen und Dämmstoffe einsetzen, um das akustische Signal für die Aufnahmen zu optimieren, so dass meine Kunden sie ohne Weiteres weiterverarbeiten können? Was ist der Unterschied zwischen dem Sprechen eines Werbespots, eines Hörbuchs oder einer Telefonansage? Wie gehe ich in Preisverhandlungen? Wie und vor allem wann läuft Akquise am Besten?

Meine zweite Berufung ist der Verlag, den ich zusammen mit meinem Mann gegründet habe. Vorhandenes Wissen würde ich in dem Falle aus der Tatsache heraus definieren, dass ich seit ich denken kann, Hörspiele und Bücher konsumiert habe und mir damit eine von Kindheit an erlernte Grundkompetenz zuschreibe. Dazu kommt meine künstlerische Ader in Sachen Malerei und Illustration. Außerdem eine Fantasie, die meinen kleinen Sohn des Öfteren dazu bringt, mich mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln als verrückt zu bezeichnen. Neues Wissen musste ich erwerben, um einen Verlag überhaupt zu gründen, ISBN-Nummern zu erhalten, Bildbearbeitungsprogramme zu bedienen und Druckdaten zu erstellen, Kalkulationen zur Verkaufspreisfindung durchzuführen und mit dem wundervollen Gefühl umzugehen, das fertige eigene Produkt in den Händen zu halten und an die Besteller zu verschicken.

Zeitlich gesehen setzt sich mein Tag zusammen aus den Anforderungen der oben beschriebenen Tätigkeiten, meiner Familie, dem Haushalt und meinen Ich-Momenten. Dafür gibt es keinen Plan, da jeder Tag anders ist. Ein Plan würde den Druck erzeugen, ihm gerecht werden zu müssen. Da dies in meiner Situation einfach unmöglich ist, habe ich erst gar keinen gemacht. Es gibt Konstanten, die aus Schulzeiten und regelmäßigen Terminen bestehen. Das reicht völlig aus, um ein Gerüst zu bauen, dessen Zwischenräume unser Leben Tag für Tag bunt füllt.

Meine Arbeitsumgebung ist in mein Zuhause integriert und macht mir diese schwindelerregenden Entwicklungen erst möglich. Sie passt perfekt zu mir, ist mit der Zeit gewachsen und verändert sich entsprechend meiner Bedürfnisse. Ich habe mir den Luxus von zwei Arbeitsplätzen gegönnt. Das Büro mit Studio, von wo aus ich alles Administrative und die Sprachaufnahmen erledige und einen Kreativraum mit Zeichentisch und Verlagslager, um Geschichten zu schreiben, zu zeichnen und neue Ideen zu entwickeln.

Ich liebe Menschen, bin aber beim Arbeiten am Liebsten allein. Ich brauche Ruhe, um mich zu fokussieren, querzudenken und Dinge abzuschließen. Außerdem brauche ich die Möglichkeit, zwischendurch aus der Arbeitsatmosphäre zu treten, um eine andere Umgebung auf mich wirken zu lassen. In meinem Fall eine wohnliche Umgebung, da es ja mein Zuhause ist. Und zwar dann, wenn mein Geist und mein Körper es mir sagen. Der Kaffe im Garten, Mittagessen am Esstisch und sogar das Wäschezusammenlegen im Keller lockern die Gehirnwindungen auf und bringen einen Ausgleich. Dann kann es weitergehen.

Von dieser Art gibt es viele Menschen. Großraumbüros, starre Zeitgefüge und unflexible Strukturen laugen sie aus und lassen sie an dem immer größer werdenden Glauben zerbrechen, dass sie nicht leistungsfähig sind. Genauso gibt es die Menschen, die Trubel zum Arbeiten brauchen.

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Zum Beispiel aus dem Mutterartikel dieser Blogparade: 400 Mitarbeiter sollen in neuen Räumlichkeiten besser zusammenarbeiten.

Ich persönlich würde zu allererst die Mitarbeiter fragen, was für ein Typ sie im Bezug auf Kommunikation im Arbeitsalltag sind. Brauchen sie Ruhe, um sich konzentrieren zu können? Dann wären diese Menschen schnell ineffizient, wenn sie nicht die passende Umgebung für Ihre Arbeit haben. Brauchen andere hingegen ständigen Austausch mit Kollegen, um zur Höchstform aufzulaufen? Diesen Menschen würde es an die Nerven gehen, wenn ihr Gegenüber so ruhig ist, dass sie den ganzen Tag nur Radio hören. Mitarbeiter, die viel telefonieren müssen, sollten dafür Raum haben. Zum einen, um selbst nicht gestört zu werden, zum anderen, um andere nicht zu stören.

So gibt es zwei Lager – die Ruhebedürftigen und die Austauschbedürftigen. Das wäre für mich der Hauptfaktor zur räumlichen Einteilung. Erst dann würde ich nach den Feldern der zu erledigenden Arbeit unterteilen. Ja, es ist ein doppelt geführter Haushalt. Doch es ist doch entspannend, wenn man je nach Bedarf wechseln kann und dort all das vorfindet, was man braucht.

Wie wäre es zudem, die Mitarbeiter zu fragen, in welche Themen sie neu einsteigen wollen? Welche Abteilung hat Schnittstellen zu ihrer Aufgabe und wo könnten neue Kompetenzen erlernt werden, um sie für das Unternehmen einzusetzen?

Um einen Vorschlag adaptiert aus meinen persönlichen Erfahrungen zu machen: ich würde neben jedem Einzelarbeitsplatz auch themenbezogene Arbeitsinseln schaffen. Damit meine ich keine Konferenzräume, sondern eine Station pro Hauptarbeitsfeld der Firma mit mehreren freien Arbeitsplätzen. Dort müssen alle Daten unkompliziert abrufbar sein, um allen Mitarbeitern zu ermöglichen, dort zeitweise allein oder im Team an einem Projekt oder einer Aufgabe zu dem Thema zu arbeiten. Wenn die Entscheidung, wo man arbeiten will, frei gelassen wird, so sitzen einige Mitarbeiter vielleicht auch lieber hauptsächlich an den Stationen und für bestimmte Tätigkeiten wiederum an Ihrem zugeteilten Arbeitsplatz. Ihnen können dort Kollegen aus anderen Abteilungen begegnen, um deren Projekte zu bearbeiten, und sie können ihnen dabei mit ihren Kompetenzen helfen und umgekehrt. Wichtig wäre, dass alles möglich ist. Ich gebe zu, diese Idee ist Luxus. Doch ich bin davon überzeugt, dass sich das Unternehmen das Einrichten eines Fitnesstudios zum Ausgleich für die Mitarbeiter sparen könnte, wenn im Arbeitsumfeld von Anfang an neu gedacht wird.

Braucht jemand klare Anweisungen und Aufgaben zum Abarbeiten, um gut und zufrieden zu arbeiten, äußert er dies und es wird sich sicher jemand mit der Kompetenz des Deligierens finden, der exakt passt und klare Vorgaben machen kann.

So würde jeder einzelne Mitarbeiter in einem vermeintlichen Chaos seinen ganz eigenen Platz haben. Nicht im physischen Sinne sondern in dem wichtigen Gefühl, ernst genommen und gefordert zu werden.

Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich eine gemütliche Einrichtung wichtig finde. Geschmackvolle Einrichtung, Pflanzen und die Möglichkeit, einen Bericht auch mal auf einem Sofa zu schreiben, tragen sicherlich zur Effizienz bei.

Essenziell für das Modell ist, dass klar ist, dass es sich verändern wird. Einmal geplant und nur für Personalwechsel neu überdacht zu werden passt ebensowig dazu, wie es zu klassischen Modellen passt, wenn wir ehrlich sind. Persönliche Entwicklungen, Konflikte und Projekte führen Mitarbeiter zusammen, auseinander und wieder neu zusammen. Dafür muss Raum sein, damit die Entwicklung zugunsten des Unternehmen geschehen kann.

Ein riesen Chaosbüro? Ich finde nicht. Die Regeln sind klar. Jeder ist ehrlich zu sich selbst und zu den anderen, was die Bedürfnisse angeht. Jeder erledigt seine Aufgaben gewissenhaft, fragt nach Hilfe und leistet sie auch. Jeder nutzt die gegebenen Freiheiten zugunsten des Unternehmens.  So wird jeder zum Wissensarbeiter.

Dieser Artikel ist ebenfalls erschienen bei FROSCHTATZE Media.

 

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15 thoughts on “Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter – Ein Beitrag zur Blogparade von The New Worker

  1. Ein sehr schöner Beitrag, auf den ich durch die Blogparade aufmerksam geworden bin. Ich freue mich immer, auf diesen Wegen von Berufen und Arbeitsabläufen zu erfahren, die mir bisher völlig verborgen waren.

    1. Vielen Dank! Wir können Arbeit so gestalten, dass sie uns Freude, Spaß und Geld bringt! Das wünsche ich mir für jede erdenkliche Form von Arbeit!

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