Foto: picture alliance / united archiv

Antwort auf einen DIE WELT Artikel zum Thema Filmsynchronisation vs. Sprachförderung

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Die Deutschen sind die reisefreudigste Nation. Aus den Fernsehern und von der Leinwand her haben sie es aber gern deutsch. Und stehen sich damit im Wege. Ein Plädoyer fürs unsynchronisierte Original.

Quelle: Sprachförderung: Wir Deutschen werden dumm synchronisiert – DIE WELT


Im oben genannten Artikel wird geschrieben, dass Synchronisation in die deutsche Sprache die Fremdsprachenkompetenz verhindere. Nuancen der Originalsprache, werden nicht wahrgenommen, da das Original schlichtweg vorenthalten würde. Außerden wird erläutert, dass eine Sprachbildung über das Anschauen von Filmen im Original nur den besser bemittelten Deutschen vorbehalten bliebe, da Dienste wie Netflix, bei denen der Originalton mit angeboten wird, kostenpflichtig sind.

Ich stelle mir die Frage, wieso der Autor des Artikels Uwe Schmitt (beste Grüße unbekannter Weise an Sie, lieber Herr Schmitt) hier so sehr auf eine Seite des Themas schwenkt. Ist es nicht vielmehr so, dass die Synchronisation, sofern sie gut gemacht ist, eine große Bereicherung für den Erwerb der Fremdsprache bedeutet? Wer seine eigene Sprache gut beherrscht, hat alle notwendigen lingualen Voraussetzung, eine neue Sprache zu lernen. Und um eine Fremdsprache zu lernen, brauch man eine Referenz, nämlich die Mutterprache.

Spracherwerb mit Spaß ist effektiver, daher eignen sich Filme sehr gut. Doch der Spaß muss auch bleiben.
Durch die Synchronisation hat der Zuschauer die Möglichkeit, den Inhalt und auch tieferen Sinn eines Films mühelos zu erfassen. Und das Schöne ist ja, dass man Filme mehrmals anschauen kann. Jedes Mal entdecke ich selbst bei mehrfach geschauten Lieblingsfilmen noch etwas Neues. Wenn ich dann zum Originalton wechsle, so fällt das Lernen erheblich leichter, da der Sinn schon klar ist, und die Frustration nicht aufkommt, falls man etwas nicht direkt verstanden hat und die nächste Szene keine Zeit zum Nachdenken lässt. Ein Film ist ja im Urspung zur Unterhaltung da, nicht zum Spracherwerb. Wenn ich also die mir bekannte Geschichte mit neuem Wortschatz verknüpfe, behaupte ich nun, dass das Gelernte eher verinnerlicht wird, als wenn die Transferleistung über das Lesen von Untertiteln gegenüber dem gesprochenen Wort erbracht werden muss.

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Nicht jeder Netflix-Abonnent schaut Filme und Serien im Original. Und nicht jeder Büchereibesucher schaut Filme nur in der Muttersprache.
Nun zum Aspekt der Zugänglichkeit von Titeln in Originalsprache. Wenn wir wie Herr Schmitt davon ausgehen, dass Filme zu Bildungsmaterial gehören, so liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, ob er dies auch nutzt. Die reine Verfügbarkeit von Material macht nicht zwangsläufig schlauer.  Wir müssen uns hinsetzen und lernen. Wer Filme schauen will und dabei das Original bevorzugt, findet Wege, solche Filme zu bekommen. Es gibt in jeder größeren Stadt Büchereien, in denen Filme und Serien in mehreren Sprachen für wenig Geld auszuleihen sind.

Gerade Synchronsprecher differenzieren sehr klar.
Jetzt könnte man denken, dass ich als Synchronsprecherin per se synchronisierte Fassungen anschaue. Dem ist nicht so. Vielmehr nutze ich die Möglichkeit, mir je nach Stimmung aussuchen zu können, welche Fassung abgespielt wird. Die Entscheidungsfaktoren sind da sehr unterschiedlich. Manchmal möchte ich mich entspannen und einfach auf deutsch den Sinn des Films verstehen. Dann gibt es Fälle, bei denen ich mich brennend für den nuancierten Wortwitz im Original interessiere. In dem Punkt gebe ich Herrn Schmitt völlig Recht, dass manche Dinge einfach nicht so übersetzt werden können, dass der feine Sinn im Dialog exakt wiedergegeben wird. Doch auch in diesem Fall gibt es die andere Seite. Wenn ein Dialogbuch gut gemacht ist, so entstehen gegebenenfalls sogar neue passende Bedeutungen, was die Synchronisation wiederum zu einer eigenen Kunstform macht! Ist die Synchronfassung allerdings nicht gut gemacht, so kann gerade ich als Sprecherin es nicht ertragen, mir den schönen Film davon kaputt machen zu lassen, und schaue im Original.

Ich finde, das Thema sollte nicht pauschalisiert werden. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich freue mich über die vielfältigen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Jeder sollte für sich entscheiden, welche er wählt. Gehen wir davon aus, dass Filmemacher und Synchronstudios mit Herz und Seele für Filme brennen und ihr Bestes geben, damit wir das Werk genießen können – und das in der Sprache, die wir uns als Zuschauer ausgesucht haben.

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